Pegasus

Verein für kreatives Schreiben e.V.
 
 
 
     
 

Text des Monats September 2011

(Für Inhalt und Auswahl sind die Autoren selbst verantwortlich)

Marla Driessen

Bavaria Arabica

„Ein herzliches Grüß Gott in Bavaria Arabica, liebe Landsleute“, sagte die Hotelchefin. Mit einem kleinen Lachen fügte sie hinzu, dass natürlich auch die Preißn hier willkommen seien. Es war unser erster Abend im Bavaria, dem bayrisch-tunesischen Hotel auf Djerba.
 
„Aber keine Angst“, beruhigte sie uns gleich, „sie werden nichts tunesisches in unserer Anlage finden. Selbst die Zimmermädchen haben Dirndl-Pflicht, Kellner und Köche kleiden sich selbstverständlich in bayrischer Tracht.“
 
„Warum mussten wir dann ausgerechnet mit dieser arabischen Chaos-Airline anreisen“, wollte einer der Gäste wissen. Andere murmelten zustimmend. Er hatte Recht, der Flug war eine Katastrophe gewesen. Statt gepflegter, deutscher Gemütlichkeit fast nur Franzosen und Tunesier, die sich in ihren unverständlichen Sprachen über die Sitzreihen hinweg anschrieen. Dunkelhäutige Kinder wuselten über den Gang und lachten laut und irre, so als wäre ein Flug eine Spaßveranstaltung. Und Turbulenzen, sage ich Ihnen, der Pilot hatte nicht bei der Lufthansa gelernt.
 
Doch die Hotelchefin ließ sich nicht beirren. „Das ist jetzt vorbei“, sagte sie, „nun beginnt Ihr wohl verdienter Urlaub. Sie haben allen Komfort unserer schönen bayerischen Heimat und zusätzlich genießen Sie das wunderbare afrikanische Mittelmeerklima und die herrlichen Sandstrände.“
 
Das Büfett wurde in einem kleinen Biergarten mit extra eingeflogenen deutschen Eichen- und Kastanienbäumen eröffnet, und wir luden uns Berge von Leberkas, Obatztn, Schupfnudln und anderen Köstlichkeiten auf die Teller. Dieser Punkt war uns schon bei der Buchung wichtig gewesen. Man hatte uns zugesichert, dass es kein tunesisches Essen geben würde, schließlich hatten wir keine Lust, unseren Urlaub gleich mit einer Darmkolik zu beginnen. Es war schön hier, so schön, endlich nur unter Bayern zu sein, dies hatten wir selbst in München schon lange nicht mehr erlebt. Glücklich krachten unsere Masskrüge aneinander.