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Text des Monats Mai 2009
(Für Inhalt und
Auswahl sind die Autoren selbst verantwortlich)
Ruth Birk
Eine besondere Trauung
Mit einer nassen Hundedame betritt die Frau ohne Zögern die Kirche, klappt ihren Schirm zusammen, schüttelt ihn kräftig und blickt sich suchend um. Entsetzt eilt der Küster auf sie zu:
„Hunde dürfen hier nicht rein.“
Ein unschuldiger Augenaufschlag trifft ihn.
„Doch natürlich, natürlich dürfen sie. Der Papst hat es erlaubt, weil Tiere eine Seele haben.“
„Ach sieh an! Da sind sie aber an der falschen Adresse. Hier ist eine evangelische Kirche, da hat der Papst nichts zu sagen. Hier haben Hunde keine Seele.“
´Der kriegt mich doch nicht raus. Ich bin hier mit Hans verabredet, warte doch nicht im Regen.´
Die Frau greift sich ans Herz, röchelt, verdreht die Augen und beginnt zu schwanken. Erschrocken umschlingt sie der Küster, versucht sie zu stützen. Halb zieht sie ihn, halb führt er sie zur Kirchenbank, auf die sie sich stöhnend fallen lässt.
„Brauchen sie Wasser?“
Der Küster ist ziemlich besorgt. Auf ihr schwaches Nicken eilt er davon. Die Hündin macht es sich auf der Bank bequem.
Hans betritt die Kirche mit seinem Rüden. Schwanzwedelnd begrüßen sich die Hunde. Erregt leckt Burli am Hinterteil von Lady. Knurrend und zähnefletschend weist sie ihn zurecht. ´Ihr wollt immer nur das Eine, Schluss jetzt, das geht zu weit.´
„Hans, bei den Evangelischen scheint es nicht zu klappen.“
„Dann gehen wir in die katholische Kirche.“
Munter erhebt sich die Frau. Gerade eilt der Küster heran und sieht,
wie Burli an der Bank noch schnell seine Marke hinterlässt, ehe das Paar aus der Kirche eilt. Das Wasserglas fällt klirrend zu Boden und hinterlässt eine zweite Lache.
Schmunzelnd sieht sich die Frau noch mal um. ´Gut, dass Hans so bald gekommen ist, ich hätte keinen Schluck Wasser runtergekriegt. Wer weiß, wo der das so schnell her hat, wird doch nicht aus dem Taufbecken...pfui, nimm dich zusammen, immer diese unseriösen Gedanken...´
In der katholischen Kirche erregen die beiden mit ihren Hunden das gleiche Aufsehen. Hier ist es der Priester, der aufgeregt auf sie zueilt. Ehe er protestieren kann, beginnt die Frau bereits mit einem Wortschwall:
„Sagen sie nichts, sie haben es doch sicher in den Nachrichten gehört, der Papst hatte die göttliche Eingebung, dass Tieren eine Seele zugesprochen wird. Somit kann er ihnen doch auch nicht den Zutritt ins Haus Gottes verwehren.“
`Und der Burli hätte die Lady geschwängert, die müssten jetzt eine Familie werden und sich um den Nachwuchs kümmern und sie lebten alle in einer Großwohngemeinschaft und sie beide würden für die Hunde sorgen und er müsse das Paar jetzt trauen...`
´Ein Mundwerk wie eine Neapolitanerin, die werde ich doch nicht mehr los, unerhört, Sitzstreik androhen, ich kann doch in meiner Kirche keinen Skandal zulassen, wird mir nichts übrig bleiben, als die Köter zu trauen.
Grimmig blickt er drein als er zustimmend nickt. Am Altar kniet er nieder und bittet seinen Gott inbrünstig um Vergebung für das, was er zu tun gedenkt.
`Ungeschoren lasse ich die aber nicht davon kommen. Bereuen sollen sie das, mich und damit die Kirche in solche Verlegenheit zu bringen.
Mit Groll im Herzen wendet er sich ihnen zu.
„Legt euren Hunden die Pfoten aufeinander.“
Er korrigiert an dieser Haltung herum, bis sich auch die Hände von Herrchen und Frauchen berühren. Dann schlingt er die Stola darüber.
„Hans Meier, Lieschen Müller, seid ihr bereit, Burli und Lady zu behüten und zu beschützen, für sie und alle ihre Nachkommen zu sorgen und ihnen ein glückliches Hundeleben zu bereiten, zusammen zu bleiben, bis dass der Tod euch scheidet, dann antwortet mit ja.“
Mit sicherer Stimme erklären Hans und Lieschen dies.
„Die Trauung ist hiermit vollzogen.“
Hans greift in die Brusttasche, holt zwei handschellenähnliche Goldringe hervor und klemmt diese jedem Hund um den rechten Vorderlauf. Zufrieden, von den Tiere gezogen, gehen sie dem Ausgang zu.
„Hans, es hat geklappt, das wird bestimmt ins Guinnesbuch aufgenommen, ist doch einmalig auf der Welt“, jubelt Lieschen.
„Hm“, brummt Hans nachdenklich „hast du nicht gemerkt, was der uns schwören ließ, fauler Trick, alle Nachkommen von Burli und Lady bis dass der Tod uns scheidet, verflixt, der hat nicht die Hunde, der hat uns getraut, so war das nicht gedacht, ein teurer Preis fürs Guinnesbuch.
Lieschen unterdrückt einen Fluch und Burli pinkelt noch die letzte Bank an.
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